Godland – Eine elegische Annäherung an das Unverfügbare

Wir leben in einer Gesellschaft, die uns glauben lassen möchte, alles sei beherrschbar. Wir ernähren uns gesund, informieren uns ständig über das Wetter, stehen am Flughafen Schlange an den Sicherheitskontrollen. Doch am Ende bleibt vieles unberechenbar. Der Mensch ist Spielball der Natur, die ihren eigenen Gesetzen folgt.

Im Film Godland findet der menschliche Kontrollimpuls eine historische Figur: einen dänischen Priester im 19. Jahrhundert, der nach Island geschickt wird, um in einem kleinen Dorf eine Kirche zu errichten.

Kamerafrau Maria von Hausswolff und Regisseur Hlynur Pálmason zeigen in eindrucksvollen Bildern auf 35mm nicht nur die raue Schönheit der Insel, sondern auch den fortwährenden Wandel des Lebens. Während der Priester Ordnung schaffen will, bleibt die Welt unbeeindruckt von menschlichen Absichten. Die Natur erscheint wie eine spirituelle Kraft – unbarmherzig, aber nicht feindlich, zugleich atemberaubend und unberechenbar.

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Nach der Philosophie Byung-Chul Hans leidet unsere Gegenwart am Verlust des Anderen. In einer Welt, die sich vollständig funktionalisieren lässt, geht die Erfahrung von Fremdheit verloren. Godland stellt dieses Andere wieder her. Die Natur bleibt opak, für den Menschen unvorhersehbar. Das quadratische Bildformat verstärkt den Eindruck, das Ganze nie vollständig erfassen zu können.

Der Impuls des Priesters ist uns auch heute vertraut. Nach der westlichen Sozialisierung wollen wir besitzen, festhalten, Spure hinterlassen. Der Kapitalismus hat unsere Affekte verinnerlicht und perfektioniert. Alles soll immer verfügbar sein und funktionieren – auch das Leben selbst.

Godland zeigt die Leerstelle dieses Versprechens. Und erinnert daran, dass wir trotz aller Systeme nicht souverän sind, sondern vorübergehend. Gäste in einer Welt, die sich unserem Zugriff entzieht; und gerade deshalb real bleibt.