Frühlingskonservierung
Wie könnte ich dieses Gefühl für immer festhalten? Fröhliche Menschen, farbenfrohe Natur, glitzerndes Wasser, wohlige Wärme. Aufbruchstimmung inmitten einer ungewissen Welt. Die Physik des Frühlings lässt alle Dinge leichter erscheinen. Menschen laufen vitaler, Sprossen erblühen. Ich möchte die Jahreszeiten nicht missen, denn sie sind eine Analogie aufs Leben. Eine stete Erinnerung an Verlust, Freude, Tod und wieder Erwachen. Im Frühling scheint die Welt wie aus dem Grau gespült. Die Farben kehren zurück.
Wenn ich am Sonntag spaziere und die Menschen um mich herum wahrnehme, dann merke ich, wie froh alle sind, nach einem langen harten Winter draußen zu sein. Die Sonne auf der Haut spüren. Sein und Sind. Die Schatten werden kürzer, das Blau des Himmels satter.
Wie macht der Frühling das? Gar schelmisch gibt er uns unsere kindliche Freude und Neugierde zurück. Kitzelt uns mit seinen ersten Sonnenstrahlen ins Freie. Lockt uns zum Bärlauch sammeln und Gänseblumen flechten. Wirbelt mit seinen Sonnenstrahlen den Staub in unseren Wohnungen auf und lässt uns Dinge auf den Kopf stellen. Neu anfangen. Schenkt frischen Duft von Flieder und Schneeglöckchen und zeigt uns das Bild der Narzissen, am einen Tag stolz und schier unsterblich, nach einem Regenschauer bedröppelt mit hängenden Köpfen.
All dem liegt ein Zauber inne. Man möchte ihn greifen und in eine Konservendose stecken, wie Glitzer, oder Marmelade, nach ausgiebigen Beerensammeln. Der Frühling aber ist ein Neubeginn, immer in Bewegung, vogelfrei. Kinder rollen die frisch ergrünten Wiesen herunter, ein Kuh guckt, kaut. Die Luft schmeckt nach Möglichkeiten, der Himmel nach Hoffnung. Vielleicht ist es genau das, was den Frühling so kostbar macht. Er ist wie ein Harfenton, lockend und schön. Er lehrt uns im Moment zu sein, der wunderbar und rauschend schnell ist. Wir halten inne.
Ehe man sich versieht, ist es dann Sommer. Doch das ist eine andere Geschichte.